„Die Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf die Arbeitswelt bereiten großen Anlass zur Sorge“, sagte Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), im Vorfeld des Internationalen Tages der seelischen Gesundheit am 10. Oktober. „Die Zahl der psychisch Erkrankten nimmt kontinuierlich zu, und auch die Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund von Depressionen oder somatoformen Störungen sind deutlich angestiegen“, hob Dr. Wenker hervor.
Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat sich die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen seit 1990 fast verdoppelt. Demnach sind inzwischen fast elf Prozent aller Fehltage auf psychische Störungen zurückzuführen. Am häufigsten erkranken deutsche Arbeitnehmer an Depressionen. Zwar liegen die psychischen Erkrankungen bislang noch an vierter Stelle der Ursachen für eine Krankschreibung Berufstätiger. Sie verursachen jedoch mit Abstand die längsten Fehlzeiten.Laut BPtK fehlt ein depressiv Erkrankter durchschnittlich 35 bis 50 Tage pro Jahr an seinem Arbeitsplatz.
„Besorgniserregend ist auch, dass immer mehr männliche Jugendliche mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen haben“, sagte Präsidentin Wenker. Umso dringender appelliert sie gemeinsam mit dem ÄKN-Vizepräsidenten und Kinderarzt Dr. med. Gisbert Voigt, die Prävention psychischer Störungen und Erkrankungen bereits im Kindes- und Jugendalter entschieden zu stärken.
Zudem weisen die beiden Fachärzte darauf hin, dass die meisten Menschen mit einer psychischen Erkrankung heute sehr effektiv behandelt werden können. Abhängig von der individuellen Diagnose sei dies entweder mit einer medikamentösen Therapie und/oder mit psychotherapeutischer Hilfe gut möglich. „Die Angst vor einer Stigmatisierung ist dabei nicht zielführend und in den allermeisten Fällen auch unbegründet“, betonte Dr. Wenker. Schnelle und gezielte Hilfe erhöhe die Heilungschancen sehr stark.
(Quelle: Bundesärztekammer, 08.10.2010)
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