Ohne den Effekt seiner erst kürzlich getroffenen Regelungen abzuwarten, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Erhöhung der Mindestmengen bei Frühgeborenen mit sehr geringem Geburtsgewicht beschlossen.
Der G-BA setzt auf Masse statt Klasse - ein echter Qualitätswettbewerb wird damit nicht erreicht. Viele gute Kliniken in Deutschland werden jetzt ihre neonatologischen Abteilungen schließen müssen“, erklärte Dr. Günther Jonitz, Vorsitzender der Qualitätssicherungs-Gremien der Bundesärztekammer, zur gestrigen Entscheidung des G-BA. Damit werde der falsche Weg fortgesetzt. „Die Versorgung der extrem empfindlichen Frühgeborenen wird gefährdet, wenn sie etwa Transportwege von über 100 km zurücklegen müssen“, so Jonitz. Aufgrund vermeintlicher Qualitätsparameter würden massive Eingriffe in bestehende Strukturen vorgenommen. Die häufige Erbringung einer Leistung werde unkritisch mit guter Qualität gleichgesetzt; obwohl ein kausaler Zusammenhang in der Frühgeborenenversorgung bislang nicht nachgewiesen werden konnte. Eine solide Folgenabschätzung konnte der G-BA zu seinem voraussichtlich ab 2011 in Kraft tretenden Beschluss jedoch nicht beisteuern.
(Quelle: Bundesärztekammer, 18.06.2010)
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