Für eine behutsame Weiterentwicklung des solidarischen Krankenversicherungssystems hat sich der 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, ausgesprochen. „Eine nachhaltige und sozial ausgewogene Finanzierungsreform kann nur gelingen, wenn die Menschen nicht überfordert werden. Es muss auch bei einer Ergänzung des bestehenden Systems weiterhin gerecht zugehen: Der Starke tritt für den Schwachen ein, das heißt, die Höhe der Belastung durch Beiträge und Steuern bemisst sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit des Versicherten“, sagte Henke vor Beginn der ersten Sitzung der Regierungskommission zur zukünftigen Finanzierung des Gesundheitswesens am morgigen Mittwoch (17.03.2010).
Völlig illusionär sei die Annahme, den künftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen mit einer stetig wachsenden Zahl von Behandlungsfällen allein durch Einsparungen begegnen zu können. „Selbst bei einem Rückgang der Bevölkerung wird die Zahl der Patienten weiter zunehmen, weil die Menschen länger leben und im Alter häufiger einer Behandlung bedürfen als junge Menschen. Um es auf den Punkt zu bringen: Mehr Gesundheitsleistungen in einer älter werdenden Gesellschaft erfordern zwangsläufig auch mehr Mittel als bisher. Das ist auch eine Folge des medizinischen Fortschritts“, so Henke.
Mit Blick auf die derzeit diskutierten Vorschläge zur Eindämmung der Arzneimittelausgaben plädierte der MB-Vorsitzende für eine stärkere Kosten-Nutzen-Bewertung von neuen Arzneimitteln. „Wer ein besser verträgliches oder besser wirksames neues Arzneimittel erfindet und damit Leben rettet oder Leiden lindert, soll dafür auch belohnt werden. Es ist aber den Menschen nicht zuzumuten, dass sie von ihrem sauer verdienten Geld jede neue Medizin-Mode bezahlen sollen“, sagte Henke. Medikamente ohne Zusatznutzen dürften nicht länger auf Kassenkosten verordnet werden. „Geld, das für Scheininnovationen ausgegeben wird, fehlt an anderer Stelle im Gesundheitswesen, wo es dringend für die Versorgung der Patienten gebraucht wird“, betonte der MB-Vorsitzende.
(Quelle: Marburger Bund, 16.03.2010)
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