Mit dem Arbeitsdruck auf Operateure steigt auch das Risiko chirurgischer Eingriffe für den Patienten. Darauf deuten einzelne Studien hin. Ob geregelte Arbeitszeiten die Sicherheit von Patienten verbessern, diskutieren Ärzte im Rahmen der 18. Jahrestagung der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Qualität und Sicherheit (CAQS) der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) vom 28. bis 30. Januar 2010 in Hamburg.
Der Klinikalltag hat sich in den letzten Jahren verändert. Weniger Krankenhäusern und weniger Betten steht eine Zunahme an Fällen gegenüber. "Insgesamt führt dies zu einer erheblichen Arbeitsverdichtung", sagt Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer und Präsident der Ärztekammer Hamburg. Verändert hätten sich gesamtgesellschaftlich auch die Arbeitszeiten. So sanken die abgeleisteten Arbeitsstunden von fast 2 000 pro Jahr 1970 auf knapp 1 400 im Jahr 2000. "Auch viele junge Ärzte wollen heute nicht mehr arbeiten, als ihre Umgebung. Wer ihnen geregelte Arbeitszeiten ermöglicht, schafft Berufszufriedenheit", sagt Montgomery. Diese erhöhe wiederum die Qualität der Arbeit und schütze auf diese Weise die Patienten.
Das Risiko einer erneuten Operation steigt um die Hälfte, wenn der Chirurg beim ersten Eingriff bereits 24 Stunden im Krankenhaus Dienst hatte. Eine aktuelle internationale Querschnittsstudie zeigt zudem, dass Medikationsfehler auf Intensivstationen mit wachsendem Stress zunehmen. "Wer Arzt wird weiß zwar, dass er mehr als 40 Stunden arbeiten wird, Überstunden und Nachtdienste in Kauf nimmt", sagt Dr. Montgomery. Dennoch habe er ein Recht auf den allgemein gültigen Arbeitsschutz. Kein vernünftiger Arzt verlange daher Dienst von neun bis fünf. Ziel müsse es jedoch sein "Arbeitsschutz, Patientenbedürfnis und Patientensicherheit in Einklang zu bringen", betont er.
Dafür sei es notwendig Krankenhäuser mit ausreichend ärztlichem Personal auszustatten. Diese Ärzte müssten in angemessen bezahlten, familienfreundlichen Dienstverhältnissen arbeiten können. Andernfalls würden sie andere Berufe oder gar Länder wählen: Geht ein junger Arzt ins Ausland, nimmt er etwa 300 000 Euro Ausbildungskosten mit. Bleibt er dort, entgehen dem deutschen Staat mehr als eine Million Euro an Ausbildungskosten und nicht gezahlten Steuern. "In diesem Sinne verstehe ich die gemeinsamen Bemühungen der Bundesärztekammer, des Marburger Bundes und der chirurgischen Fachgesellschaften um ein vernünftiges deutsches Arbeitszeitrecht und gute Tarifverträge auch als einen konstruktiven Beitrag zum Patientenschutz", ergänzt Montgomery. Im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Tagung der CAQS am 28. Januar 2010 diskutiert er das Thema Patientensicherheit im Zusammenhang mit ärztlichem Arbeitsdruck mit weiteren Experten.
(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e. V., 02.01.2010)
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