„Junge Ärztinnen und Ärzte sind durchaus motiviert, kurativ tätig zu werden. Als Gegenleistung für ihr hohes Engagement erwarten sie attraktive Arbeitsplätze. Darauf müssen sich die Krankenhäuser und die Gesellschaft als Ganzes einstellen, wenn sie junge Menschen für den Arztberuf in Deutschland gewinnen wollen“, betonte Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes, heute auf einem Symposium der Bundesärztekammer zur ärztlichen Versorgung.
„Weniger als vier von fünf Studierenden der Humanmedizin werden nach erfolgreich abgeschlossenem Studium in der direkten Patientenversorgung tätig. Diese Entwicklung ist ein Alarmsignal erster Ordnung“, sagte Botzlar. Eine bloße Erhöhung der Studienplätze sei keine adäquate Antwort auf den zunehmenden Ärztemangel. Stattdessen müsse alles daran gesetzt werden, die Arbeitswelt attraktiver zu gestalten. „Die von den Ärztinnen und Ärzten vorgefundene Arbeitswelt ist geprägt von kleinteiliger Bürokratie, mangelnder Teilhabe an allen relevanten nicht-medizinischen Entscheidungen und hoher Arbeitsverdichtung als ideenlose Reaktion auf zunehmende Finanzknappheit.“
Ganz direkt geprägt sei die Arbeitswelt der angehenden Ärztinnen und Ärzte durch die oft geringe Wertschätzung während des Praktischen Jahres. Paradebeispiel sei hier der so genannte Ehrenkodex der Universität Mainz, der den Lehrkrankenhäusern die Aufwandsentschädigungen für die Studierenden verbieten will. „Die Kliniken sind aufgerufen, die Arbeitswelt der Motivlage der jungen Ärztinnen und Ärzte anzupassen. Sonst wird der Drang ins Ausland und in medizinverwandte, aber nicht-kurative Bereiche des Gesundheitswesens weiter zunehmen“, mahnte Botzlar.
(Quelle: Marburger Bund, 27.08.2009)
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