Die deutsche Ärzteschaft diskutiert derzeit auf dem 112. Ärztetag in Mainz über die Zukunft der medizinischen Versorgung. Wie kann die Freiberuflichkeit des Arztberufes gesichert werden? Wie kann die Qualität in der medizinischen Versorgung gesichert werden? Ist die Behandlung gegen „Vorkasse“ als Protest gegen die Honorarreform berechtigt? Ist der Weg, den die Bundesgesundheitsministerin Schmidt vorgegeben hat, das Land in die Staatsmedizin zu führen, der richtige Weg für die Patienten in Deutschland? Diese emotional diskutierten Fragen sowie die – von der Bundesärztekammer festgestellte, vom Gesundheitsministerium immer noch negierte – Rationierung im Gesundheitswesen waren die Themen der Auftaktsveranstaltung am Dienstag.
Die Gesundheitsministerin ließ sich, das erste Mal in ihrer Amtszeit, entschuldigen. Die Schweinegrippe forderte ihre Anwesenheit auf der Konferenz der Gesundheitsminister in Genf. In Vertretung sprach der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Klaus Theo Schröder zu den Delegierten und Gästen des 112. Deutschen Ärztetages. Er positionierte sich, genau wie die Besundheitsministerin die Jahre zuvor, dahingehend, dass es im deutschen Gesundheitswesen keine Rationierungen gäbe, dass die medizinische Versorgung "sicher sei". Dagegen führte Professor Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, in seinem wie immer pointierten, mit Standing Ovationes befürworteten Vortrag aus, dass die Rationierung im deutschen Gesundheitssystem längst Realität sei, und wer heute behaupte, die umfassende Gesundheitsversorgung sei sicher, der sagt schlicht und einfach nicht die Wahrheit.
Zudem verteidigte er die Umsetzung einer Prioritätenliste und machte deutlich, dass diese eine zwingende Folge der politisch verursachten Geldmittelknappheit im Gesundheitswesen ist. Keinesfalls ist der von der Bundesgesundheitsministerin gegenüber der Ärzteschaft geäußerte Vorwurf eines unethischen "menschenverachtenden" Verhaltens in einer politisch und gesellschaftlich notwendigen Diskussion angemessen. Die Auseinandersetzung mit den tatsächlich vorliegenden Bedingungen im deutschen Gesundheitswesen ist unerlässlich und vor allem ehrlicher als die stetige Behauptung, eine umfassende medizinische Versorgung ist jederzeit gewährleistet.
Im weiteren Verlauf des 112. Deutschen Ärztetages werden unter anderem die Fragen der Patientenrechte in Zeiten der Rationierung, der Freiheitlichkeit des Berufs des Arztes sowie die Probleme bei der medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderung thematisiert und diskutiert.
(Quelle: Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, 21.05.2009)
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