Nach der Bundesärztekammer hat nun auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund drei Tage vor ihrer 115. Hauptversammlung eine „ehrliche Debatte über die schleichend eingetretene Rationierung medizinischer Leistungen“ gefordert. „Die medizinischen Möglichkeiten im Gesundheitswesen wachsen schneller als die dafür bereitgestellten finanziellen Mittel. Wenn die Finanzmittel für die medizinische Versorgung der Bevölkerung mit den medizinischen Möglichkeiten nicht Schritt halten, resultieren daraus Leistungseinschränkungen. Die Erinnerung an die klare politische Verantwortung für den Aufgabenkatalog der gesetzlichen Krankenkassen ist da doch das Selbstverständlichste der Welt. Jeder Versicherte muss wissen, worauf er sich in der Gesetzlichen Krankenkasse verlassen kann und wofür er zusätzlich sorgen muss. So zu tun als gäbe es die schleichende Rationierung nicht, ist scheinheilig und unehrlich“, erklärte Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes.
Bei Kranken, die den Arzt brauchen, komme keine Praxis mit einer Flatrate von 15 Euro im Monat zurecht. Darüber müsse man doch wenigstens diskutieren können. Henke: "Wo Krankenkassen, die von ihren Versicherten 15,5 % des Gehalts als Beitrag erhalten, dem Vertragsarzt im Monat nur 15 Euro davon als Regelleistungsvolumen geben, da zwingen sie die Ärzte dazu, den Versicherten etwas vorzumachen."
Bei der anstehenden 115. Hauptversammlung des MB am kommenden Wochenende in Niedernhausen bei Wiesbaden werden die 204 Delegierten dieses Thema intensiv beraten. Henke: „Wir Ärzte wollen keine Rationierung. Wir Ärzte wollen, dass jeder den Zugang zu allen gesundheitlichen Leistungen hat, die er braucht. Dazu muss man sich aber mit der schleichenden Tendenz zur Rationierung auseinandersetzen. Mit geschlossenen Augen kann man Rationierung nicht bekämpfen. Besser wir führen diese Debatte jetzt als dann, wenn die Wirtschaftskrise das Gesundheitswesen erreicht hat."
"Es ist gut, dass die Bundesärztekammer diese Diskussion mit ihren Überlegungen zur Priorisierung der Behandlungsmaßnahmen und zur Einrichtung eines Gesundheitsrates auf die Tagesordnung bringt. Das hat meine volle Unterstützung.“
In den Krankenhäusern nehme man eine Zunahme von Krankenhauseinweisungen in komplizierten und aufwändigen Behandlungsfällen wahr. Die Leistungsintensität nehme zu. Es gebe dazu zwar noch keine präzise Untersuchung, aber die Wahrnehmung sei überall die gleiche. "Wir Krankenhausärzte und unsere Häuser sind sicher nicht in der Lage, die Lücken zu füllen, die im Nachwuchsmangel durch das Wegbrechen der Kapazität ambulanter Praxen entstehen", fügte Henke hinzu. "Wir brauchen auch in Zukunft ein leistungsfähiges ambulantes Versorgungssystem. Diese Debatte kann nicht unter Verschluss bleiben, weil sie dem Bundesministerium für Gesundheit vor der Wahl nicht gefällt."
(Quelle: Marburger Bund, 13.05.2009)
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