Mit dem Thema "Demenz" startet die Gesundheitsuni an der Universitätsmedizin Göttingen in das Wintersemester 2008/2009. Etwa 1,2 Millionen Bundesbürger leiden inzwischen an Alzheimer oder einer ähnlichen Form der Demenz.
In zwanzig Jahren werden es geschätzt doppelt so viele sein. Alles, was ein Mensch sagt, sieht, hört, liest, wird im Gehirn auf dem Hippocampus gespeichert und in andere Teile des Gehirns weitergeleitet. Dort werden diese Informationen als Erinnerung abgelegt. Eine Ursache für den Erinnerungsverlust von Alzheimerpatienten sind winzige, giftige Eiweißpartikel, die sich auf dem Hippocampus angesammelt haben. Dieses Hirngewebe ist für das menschliche Ortsgedächtnis zuständig und gleichzeitig der Kurzzeit-speicher des Gehirns. Der Mensch selbst erzeugt die toxischen Eiweißpartikel. Jahrelang sammeln sie sich im Organismus an, ohne dass sich dies im Gehirn bemerkbar macht. Irgendwann fängt das Gehirn an, sich aufzulösen. Das Gehirn eines gesunden, erwachsenen Menschen ist etwa 1,3 Kilogramm schwer. Das Gehirn eines Alzheimerpatienten im Endstadium wiegt oft nur noch 900 Gramm. Eine Heilung der Alzheimer-Krankheit ist heute noch nicht möglich, nur eine Verzögerung der Krankheitsentwicklung.
Mit diesem Phänomen beschäftigen sich die Referenten der Gesundheitsuni. Sie berichten neben dem aktuellem Forschungsstand und der zukünftigen Perspektive auch über die praktischen Auswirkungen der Krankheit und über den Umgang im Alltag und der medizinischen Praxis.
"Prävention der Demenz"
Unsere Bevölkerung wird immer älter. Gleichzeitig sinken die Bevölkerungszahlen von Jahr zu Jahr. Prävention erlangt durch die demographische Entwicklung eine besondere Bedeutung. Im Alter werden zwei Lebensphasen unterschieden: das "junge Alter" beginnt etwa bei 60 Jahren, das "alte Alter" beginnt mit 80 Jahren. Dieses Alter unterscheidet sich durch den Anstieg von dementiellen Erkrankungen sowie von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit. Die Ursachen der Demenz sind vielschichtig: Bei der primären Demenz unterscheidet man die Alzheimer Krankheit (mit 60 Prozent am häufigsten) von der vaskulären Demenz infolge von Durchblutungsstörungen. Die sekundäre Demenz hat verschiedene Grundkrankheiten als Ursache: Parkinson, Stoffwechselkrankheiten, Alkoholmissbrauch, Hirntumore und andere. Mehr als jede 10. Demenz-Erkrankung und jede 5. Alzheimer-Demenz sind auf Adipositas (Fettsucht) zurückzuführen.
Dr. Thomas Suermann, niedergelassener Facharzt für Innere Medizin und Präventionsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), spricht über die Bedeutung von regelmäßiger sportlicher Betätigung, die den Krankheitsprozess verzögert, indem sie die Neubildung von Nervenzellen anregt. Schon nach drei Tagen steigt das Zellwachstum um 50 Prozent.
"Demenz. Was leistet die Grundlagenforschung?"
Die bisher gegen Alzheimer-Demenz zugelassenen und wenig wirksamen Medikamente behandeln nur Symptome. Genetische, neuropathologische und biochemische Daten unterstreichen die Bedeutung der Amyloidhypothese, aus der neue Forschungsansätze erwachsen. Viele Behandlungsstrategien sind auf dieser Grundlage in vorklinischen Tiermodellen erfolgreich durchgeführt worden. Warum der Behandlungserfolg beim Menschen noch aussteht, erklärt Prof. Dr. Thomas Bayer aus der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. Ein Grund könnte hierfür sein, dass die bisher genutzten Tiermodelle nur geringe Verhaltensdefizite und keinen Alzheimer-ähnlichen Nervenzellverlust zeigen, obwohl sie alle Plaques ausbilden.
"Die Gedächtnisambulanz. Signale erkennen und Krankheit behandeln"
Welche diagnostischen Verfahren und Erkenntnismöglichkeiten gibt es bei einer Demenz? Dr. Anja Schneider aus der Gedächtnisambulanz der Universitätsmedizin Göttingen spricht über therapeutische sowie sozialmedizinische Möglichkeiten. Sie stellt die Angebote der Gedächtnisambulanz der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie mit ihrer klinischen Versorgung demenziell erkrankter Patienten und ihrer klinischen Forschung vor. Für pflegende Angehörige gibt es dort zur Hilfe und Entlastung Gesprächsgruppen, ambulante Pflegedienste, Tagespflegeeinrichtungen und Tageskliniken sowie umfassende Beratungsangebote.
"Wie sieht die Therapie der Demenzen im Jahr 2015 aus?"
Prof. Dr. Jörg B. Schulz, Direktor der Abteilung Neurodegeneration und Neurorestaurationsforschung der Universitätsmedizin Göttingen, stellt aktuelle Studien vor, die eine mögliche Therapie der Alzheimer Demenz im Jahr 2015 möglich machen werden. Im Gegensatz zu den heute bekannten Therapieverfahren werden dabei nicht ausschließlich die Symptome behandelt. Neue therapeutische Strategien greifen in die unterliegenden, krankhaft fortschreitenden Prozesse ein. Dabei wird versucht, die Ablagerung und Aggregation bestimmter Eiweiße zu verhindern und bereits bestehende Ablagerungen abzuräumen. Zur Therapie eignet sich eine Impfung gegen diese Eiweiße und die Hemmung von Enzymen, die für die Generierung der sich ablagernden Proteinbruchstücke benötigt werden.
(Quelle: Universitätsklinikum Göttingen, 24.10.2008)
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