PD Dr. Nicole Rotter blickt durchs Mikroskop und sieht die Zukunft in der regenerativen Medizin
Die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Ulm bildet einen überregionalen Schwerpunkt für die plastische Chirurgie des Gesichts. Ärztlicher Direktor der Klinik ist Prof. Dr. Gerhard Rettinger, der seit März dieses Jahres zusätzlich von PD Dr. Nicole Rotter unterstützt wird. Dr. Rotter ist Spezialistin für das so genannte Tissue Engineering. Dieser englische Begriff bedeutet sinngemäß übersetzt Gewebezüchtung. Es geht im Kern darum, lebende Zellen eines Organismus´ außerhalb des Zielgewebes zu kultivieren (vermehren), um diese dann wiederum zu implantieren und so eine Gewebefunktion erhalten oder wiederherstellen zu können.
Vorteile für Patienten
Dr. Rotter: „Die Grundidee des Tissue Engineering hat viele Vorteile. Bislang müssen Patienten, bei denen ich z. B. einen unfallbedingten Knorpeldefekt an der Nase operiere, gleichzeitig mit einer zweiten OP zur Knorpelgewinnung rechnen. Diesen Knorpel entnehme ich aus der Ohrmuschel oder dem Rippenbereich, um die Nase möglichst optimal rekonstruieren zu können“, erläutert die 38-jährige Oberärztin und fährt fort: „Für den Verunfallten bedeutet das unter anderem zusätzliche Schmerzen und erhöht die Gefahr möglicher Infektionen. Tissue Engineering ist vor diesem Hintergrund eine zukunftsfähige Alternative.“
Synergieeffekte nutzen
Doch ist diese Vermehrung von Zellen mittels laborseitiger Zellkulturtechniken medizintechnisch schon so ausgereift, dass sie im Bereich der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie des Kopf- und Halsbereiches bereits Patienten zugute kommt? „Nein“, sagt Dr. Rotter, „noch betreiben wir hier in Ulm und an anderen Forschungseinrichtungen Grundlagenforschung. Ich sehe für meinen Bereich eine ernsthafte Praxisrelevanz in etwa fünf bis zehn Jahren. Das hängt auch davon ab, inwieweit sich die Synergieeffekte einer interdisziplinären Forschung nutzen lassen. Heute in der Industrie schon Vorhandenes müsste – abgestimmt auf unsere medizinischen Bedürfnisse – umgearbeitet werden, dann sind die fünf Jahre realistisch.“
Moderner Forschungsstandort
Das Universitätsklinikum Ulm als moderner Forschungsstandort legt deshalb großen Wert auf die Zusammenarbeit mit Physikern, Chemikern oder auch Biomechanikern. „Wir stellen diesbezüglich auch die Ausbildung unseres Medizinernachwuchses auf eine noch breitere Basis“, unterstreicht die Medizinerin. Ihre Forschung wird wohl dazu beitragen, dass in Zukunft bei einer rekonstruktiven Operation an der Nase nur an einem einzigen Ort operiert wird: der Nase.
(Quelle: Universitätsklinikum Ulm , 20.10.2008)
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