Schulung entlastet Hausärzte bei der Behandlung von Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen / Forschungsprojekt ausgezeichnet
Rund 25 Prozent der Patienten in der Hausarztpraxis leiden an anhaltenden, körperlich nicht erklärbaren Beschwerden; oft werden sie jahrelang vergeblich auf organische Ursachen untersucht. Die psychosomatische Schulung von Hausärzten und ein Zusatzangebot an Gruppentherapie mit Information und Entspannungsübungen können dies verhindern helfen und die Versorgung dieser psychosomatisch erkrankten Patienten voraussichtlich verbessern.
Für ein zweiphasiges Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Heidelberg, das die Wirksamkeit derartiger Schulungen und einer Gruppenbehandlung untersucht, sind die Wissenschaftler jetzt mit dem dritten Platz des renommierten Deutschen Forschungspreises für Allgemeinmedizin 2008 – dem Dr. Lothar Beyer Preis – ausgezeichnet worden.
Über 70 Hausärzte im Rhein-Neckar-Kreis am Forschungsprojekt beteiligt
Das Forschungsprojekt wird gemeinsam von Psychosomatikern und Allgemeinärzten des Universitätsklinikums Heidelberg geleitet und durchgeführt. Teilgenommen haben an den beiden Phasen des Forschungsvorhabens, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, über 70 niedergelassene Hausärzte aus dem Rhein-Neckar-Kreis.
„Patienten in der Hausarztpraxis, die an unklaren funktionellen Beschwerden leiden, haben meist einen hohen Leidensdruck“, informiert Dr. Rainer Schäfert, verantwortlicher Studienarzt in der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin. Meist handele es sich um vielfach beeinträchtigte Patienten mit hohem Leidensdruck. Hausärzte fühlten sich bei der Behandlung dieser Patienten oft besonders gefordert und würden Unterstützung dankbar annehmen. Denn Diagnostik und Behandlung der unklaren Störungen gestalten sich schwierig. „Es werden sehr viele Tests gemacht und Therapien erprobt“, schildert die Heidelberger Psychologin Claudia Kaufmann, verantwortliche Studienpsychologin. Die Folge seien hohe Krankheitskosten.
Um die Versorgung der psychosomatisch erkrankten Patienten durch Hausärzte zu verbessern, haben die Wissenschaftler der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin unter Leitung von Professor Dr. Wolfgang Herzog und die Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung unter Leitung von Professor Dr. Joachim Szecsenyi ein interdisziplinäres Behandlungsmodell entwickelt.
Weitere Studie: Kommt zusätzliche Gruppentherapie den Patienten zugute?
Im ersten Schritt wurde ein Qualifizierungsprogramm zur Früherkennung und Behandlung funktioneller Beschwerden entwickelt. Die Hausärzte fühlten sich nach der Schulung von ihren psychosomatischen Patienten deutlich weniger belastet. Bei den Patienten ließen sich dagegen keine nennenswerten Verbesserungen feststellen.
Eine zweite Studie untersucht deshalb, ob ein erweitertes Therapieprogramm mit Gruppengesprächen den Patienten hilft. 18 Hausärzte bieten zusammen mit einem Psychosomatiker in ihrer Praxis Gruppengespräche über 10 Sitzungen und zwei Nachtreffen à 90 Minuten für jeweils 10 - 12 Patienten an; weitere 18 Hausärzte behandeln ihre Patienten nur im üblichen kurzen Einzelgespräch. Die Patienten werden über psychosomatischen Störungen informiert und erlernen ein Entspannungsverfahren. Gemeinsam werden Möglichkeiten erörtert, wie die Beschwerden bewältigt und persönliche Kraftquellen erschlossen werden können.
„Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Versorgungsmodell nach Einschätzung der teilnehmenden Hausärzte sehr geeignet ist und eine hohe Zahl der Patienten tatsächlich erreicht“, erklärt Dr. Schäfert. Die Ergebnisse sollen nach Abschluss des Projektes Ende 2009 veröffentlicht werden.
(Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg , 16.10.2008)
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