DGK zertifiziert die ersten Chest Pain Units
In die Offensive geht die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) mit der Zertifizierung von Chest Pain Units (CPU). Das sind Zentren, in denen Patienten mit neu aufgetretenem unklaren Brustschmerz unverzüglich und rund um die Uhr aufgenommen und behandelt werden.
In den CPU können vor allem Patienten mit Herzinfarkt oder lebensbedrohlichen Erkrankungen der Hauptschlagader jederzeit fachgerecht versorgt werden.
Andere Patienten werden nach Ausschluss bedrohlicher Erkrankungen rasch wieder nach Hause entlassen werden können.
Der Begriff CPU war bisher nicht geschützt, insbesondere musste kein fachlicher Standard nachgewiesen werden. Die DGK hat nun unter Einbeziehung zahlreicher Experten in einer Kommission unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Münzel aus Mainz strenge Kriterien für eine CPU festgelegt und veröffentlicht. Nach diesen Kriterien wurden inzwischen schon die ersten Häuser zertifiziert: das Universitätsklinikum Essen, das Universitätsklinikum Heidelberg, das Klinikum der Universität Mainz und das Universitätsklinikum Mannheim. Das Lukaskrankenhaus Neuss wird bald folgen.
Die CPU-Zertifizierung steht für DGK-Präsident Prof. Dr. Dr. h. c. Gerd Heusch aus Essen ganz oben auf der Prioritätenliste seiner Amtszeit: „Was die so genannte
Stroke Unit für den Schlaganfall ist, muss die Chest Pain Unit für den Herzinfarkt werden“, bringt er seine intensiven Bemühungen zur Verbesserung der Notfallversorgung
bei akutem Brustschmerz auf den Punkt. In den USA gibt es bereits 2000 CPU. „Die DGK möchte in Europa, wo es derzeit etwa 500 CPU gibt, eine Vorreiterrolle übernehmen“, verspricht Münzel, der die Federführung für den Zertifizierungsprozess übernommen hat. „Die DGK hat einen für Deutschland zugeschnittenen Standard entwickelt, der nationale und regionale Besonderheiten mit berücksichtigt.“
Die DGK will mit ihren Kriterien erreichen, dass mit dem Namen Chest Pain Unit ein Qualitätsstandard verbunden ist. Die Voraussetzungen dafür sind streng: Ein Herzkatheterlabor
muss 24 Stunden am Tag an jedem Tag des Jahres einsatzbereit
sein. Zu dessen Betrieb müssen vier interventionell erfahrene Kardiologen zur Verfügung stehen.
Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 30 Brustschmerz-Zentren, die die Voraussetzungen für eine Zertifizierung sofort erfüllen können. Darunter sind einige Universitätskliniken, aber auch städtische Krankenhäuser und große kardiologische Praxen. „Wünschenswert sind etwa 300 solcher Einrichtungen, die über das ganze Land verteilt
sind“, sagt Heusch. „Nun hoffen wir, dass in den kommenden Monaten zahlreiche CPU über die DGK zertifiziert werden. Ziel ist die bessere Versorgung von Patienten mit Herzinfarkt.“
(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie , 09.10.2008)
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