DGK veröffentlicht Leitlinie über
diagnostische Herzkatheter-Untersuchung
Werden in Deutschland zu viele Herzkatheter-
Untersuchungen durchgeführt? Immer wieder taucht dieser Vorwurf auf. Dies war einer der Gründe für die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), erstmals
eine Leitlinie über die diagnostische Herzkatheter-Untersuchung zu veröffentlichen und klar zu beschreiben, wann eine solche Untersuchung eindeutig indiziert und
wann diese abzulehnen ist. „Tatsache ist, dass Deutschland das Land mit der höchsten Zahl an Herzkatheter-Untersuchungen ist und zugleich ein Land mit sehr hohem medizinischen Standard, was sich unter anderem in der Zahl der Herzkatheter-
Messplätze widerspiegelt“, erläutert Prof. Dr. Christian W. Hamm aus Bad Nauheim, der federführende Autor der Leitlinie. „Daher wird die Indikation zur Herzkatheter- Untersuchung in manchen Regionen Deutschlands eher großzügig gestellt.
Auf der anderen Seite müssen wir jedoch auch festhalten, dass die Indikation für die Untersuchung beim akuten Koronarsyndrom vielfach immer noch zu zögerlich
erfolgt“.
Mit dieser Leitlinie betritt die DGK Neuland. Bisher gab es noch keine Leitlinie zur Herzkatheterdiagnostik – sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene. Es lagen lediglich Empfehlungen aus Monografien und Lehrbüchern vor, aber keinerlei Empfehlung eines großen Expertengremiums. Nun ist es gelungen, alle wesentlichen beruflichen Interessensgruppen an der Leitlinienerstellung zu beteiligen.
„Erstmals sind die Vorstellungen aller großen Herzkatheterschulen Deutschlands in eine generelle Durchführungsempfehlung eingeflossen“, versichert Hamm. „Vieles ist Expertenkonsens, das heißt Grad-C-Empfehlung, da es kontrollierte Studien nicht gibt und nicht geben kann. Trotzdem ist es wichtig, dies in einer Leitlinie zusammenzufassen.“
Indiziert ist eine Herzkatheter-Untersuchung gemäß der neuen Leitlinie grundsätzlich bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom, die bestimmte Risikomerkmale erfüllen.
Die Sterblichkeit und das Infarktrisiko können durch die invasive Maßnahme sowohl bei ST-Strecken-Hebung als auch ohne ST-Strecken-Hebung nachgewiesenermaßen gesenkt werden. Bei Patienten mit stabiler Angina Pectoris ist immer die
Kombination aus klinischer Symptomatik und Ischämienachweis zu fordern. Nicht oder nur in Ausnahmefällen indiziert ist eine Herzkatheter-Untersuchung bei bestimmten Begleiterkrankungen oder als reine Routine-Untersuchung ohne ausreichende Begründung.
Immer wieder fragen Patienten nach nicht-invasiven Untersuchungsmethoden, die einen Herzkatheter-Eingriff überflüssig machen. „Die derzeit einzige Alternative zur
Darstellung der Koronararterien ist die Mehrzeilen-Computertomografie, sofern diese in einer erfahrenen Abteilung, möglichst in Zusammenarbeit mit Kardiologen,
durchgeführt wird“, stellt Hamm klar. „Bei bestimmten Patientengruppen, zum Beispiel bei jüngeren Menschen, ist die Computertomografie heute bereits zur Ausschlussdiagnostik geeignet.
Langfristig ist zu hoffen, dass auch die Kernspintomografie zur Darstellung der Koronargefäße geeignet ist. Dieses ist derzeit aber noch
nicht der Fall.“ Der Kardiologie versichert, dass eine Herzkatheter-Untersuchung – wenn diese von geübten Händen durchgeführt wird – eine sichere Methode mit
niedriger Komplikationsrate ist.
(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie , 25.09.2008)
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