Universitätsklinikum gründet deutschlandweit einmaliges fächerübergreifendes Zentrum
Das neue Comprehensive Infectious Diseases Center (CIDC) organisiert bei der Erkennung und Behandlung hochkomplexer Infektionserkrankungen die dringend notwendige intensive und strukturierte Zusammenarbeit von klinisch tätigen Ärzten, spezialisierten Labors und Wissenschaftlern. Die fächerübergreifende Forschergruppe wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
Eine der Grundstrukturen des neuen Zentrums sind die sogenannten Infektionsboards. „In diesen fächerübergreifenden Expertentreffen besprechen wir am CIDC komplizierte Fälle von Infektionskrankheiten und legen individuelle Therapien fest“, erklärte Prof. Dr. Peter Kern, der Sprecher des CIDC, bei der Vorstellung des Zentrums in Ulm. „Aus den Therapie-Empfehlungen werden allgemeine Leitlinien für das Klinikum entwickelt, die Qualität der Versorgung wird verbessert und die Grundlage für spezielle Forschungsprojekte gelegt“, so der Leiter der Sektion Infektiologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Ulm. Zudem bietet das neue Zentrum verstärkt infektiologische Spezialvisiten in den beteiligten Kliniken an.
Die gezielte und sorgsame Behandlung von Infektionen ist heute dringlicher denn je. Ein Grund dafür ist, dass die „Wunderwaffen“ gegen bakterielle Infektionen, die Antibiotika, drohen stumpf zu werden. Experten schätzen, dass jedes zweite Antibiotika-Rezept unnötig ausgestellt wird, gleichzeitig werden immer weniger neue Antibiotika entwickelt. „Der exzessive Einsatz von Antibiotika begünstigt die Resistenzentwicklung, der sorgsame Umgang mit Antibiotika kann sie hingegen verzögern. Das CIDC bildet den Kristallisationskern für Strategien zum gezielten und sparsamen Einsatz von Antibiotika am Klinikum“, erläuterte Professor Kern. Dabei ist auch die Mitarbeit der Klinikumsapotheke entscheidend. „Wir sind in die Umsetzung der entsprechenden Leitlinien des Zentrums eingebunden und daher ein wichtiger Bestandteil im Bemühen um eine rationale und effektive Arzneimitteltherapie“, so der Direktor der Klinikumsapotheke, Dr. Ludwig Maier.
Mitglieder des CIDC sind neben 6 Instituten 16 Einzelkliniken. Eine besondere Bedeutung hat das neue Zentrum beispielsweise in der Kinderheilkunde. So sind extreme Frühgeborene oder Kinder mit Krebserkrankungen während der intensiven Therapiephasen durch akut verlaufende bakterielle Infektionen oder durch Virus- und Pilzinfektionen hochgradig gefährdet. „Da aber derartige Infektionen in ihrem Verlauf bei Kindern mit geschwächtem Immunsystem viele Besonderheiten zeigen, ist eine enge fachübergreifende Zusammenarbeit von Bakteriologen, Virologen und klinisch tätigen Ärzten eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung“, betonte Prof. Dr. Michael Leichsenring, Sekretär des CIDC und Oberarzt der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin.
(Quelle: Universitätsklinikum Ulm , 24.09.2008)
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