Anja Gundlfinger hat mit ihrer Dissertation zu einem besseren Verständnis der Funktionsweise von Synapsen beigetragen. Die Arbeit entstand an der Charité im Rahmen des Exzellenzclusters NeuroCure, Gundlfinger hat im Frühjahr 2008 an der Humboldt-Universität promoviert.
In ihrer Arbeit hat sie die Moosfaser-Synapse des Hippokampus untersucht. Dabei hat sie zunächst untersucht, wie die Übertragung von Signalen zwischen zwei Neuronen mittels der Moosfaser-Synapsen durch den Neuromodulator Adenosin reguliert werden kann. Neuromodulatoren sind körpereigene Substanzen, die die Arbeitsweise des Nervensystems beeinflussen. In ihrer Dissertation konnte Anja Gundlfinger aufklären, welche intrazelluläre Signalkaskade durch Adenosin aktiviert wird und damit eine verminderte Ausschüttung von Neurotransmittern bewirkt.
In einem weiteren Teil der Dissertation untersuchte Anja Gundlfinger den Zusammenhang zwischen Kurz- und Langzeit-Plastizität an der Moosfaser-Synapse. Anhand von elektrophysiologischen Experimenten und mathematischer Modellierung konnte sie die Ausprägung der Kurzzeit-Plastizität an der Moosfaser-Synapse detailliert beschreiben. Damit kann sie vorhersagen, wie sich diese Synapse genau im zeitlichen Verlauf der Verarbeitung von Eingangssignalen verhält. Weiterhin konnte sie darlegen, inwieweit das Auftreten von Langzeit-Plastizität die Kurzzeit-Plastizität an der Moosfaser-Synapse beeinflusst. Mit diesen Erkenntnissen konnte sie eine These aufstellen, welchen Nutzen die Kurzzeit-Plastizität im neuronalen Netz Hippokampus haben könnte.
"Meine Ergebnisse tragen dazu bei, die Funktionsweise und Relevanz des komplexen und ungewöhnlichen Systems der Moosfaser-Synapse besser zu verstehen", erklärt Anja Gundlfinger die Bedeutung ihrer Arbeit. "Langfristig können sie dabei helfen, die Funktion der hippokampalen Formation als Ganzes zu entschlüsseln."
Prof. Dietmar Schmitz, Direktor des Neurowissenschaftlichen Forschungszentrums an der Charité, hat Anja Gundlfinger für den Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis empfohlen: "Sie ist eine hervorragende Wissenschaftlerin mit großem Potenzial auf dem Gebiet der Neurowissenschaften." Der Preis des Forschungsverbundes Berlin e.V. ist mit 3000 Euro dotiert. "Ich habe mich wahnsinnig über den Preis gefreut, er rundet meine schöne Erinnerung an Berlin ab", sagt Anja Gundlfinger. Die Preisverleihung findet am 5. November 2008 um 19 Uhr in Adlershof, Rudower Chaussee 17, im Einstein-Kabinett statt. Mittlerweile forscht die Wissenschaftlerin als Postdoc am Institut für Hirnforschung an der Universität Zürich. Nachdem sie sich bisher eher mit den Eigenschaften einzelner Synapsen und Nervenzellen beschäftigt hat, wendet sie sich nun dem neuronalen Netzwerk zu, um die Funktion des Hippokampus als Ganzes zu verstehen.
Der Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis des Forschungsverbundes Berlin e.V. (FVB) ist im Jahr 2001 erstmals vergeben worden. Mit der jährlichen Auszeichnung will der FVB besondere Leistungen junger Wissenschaftlerinnen würdigen. Damit möchte der Verbund dazu beitragen, der Forschungstätigkeit neue Impulse zu geben und den Anteil hervorragender Wissenschaftlerinnen in der Forschung zu erhöhen. Der Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis zeichnet eine herausragende Promotion in einem Forschungsgebiet aus, das von den Instituten des Forschungsverbundes Berlin bearbeitet wird. Die Arbeitsfelder der acht Institute liegen unter anderem in den Bereichen IuK-Technik, Strukturforschung, Optoelektronik und Laserforschung, Mikrosystemtechnik, Neue Materialien, Angewandte Mathematik, Molekulare Medizin und Biologie, Veterinärmedizin, Biotechnologie und Umweltforschung.
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