Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) begrüßt die Pläne von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz, gesetzliche Klarstellungen anzustreben, mit denen der Missbrauch von Praktikantenverhältnissen und unentgeltliche Praktika verhindert werden sollen. „In vielen deutschen Krankenhäusern ist die Ausbeutung von Medizinstudenten im so genannten Praktischen Jahr trauriger Alltag“, erklärte Patrick Weinmann, Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudenten im MB.
Obwohl die angehenden Mediziner während dieser 12monatigen Praktikumsphase als volle Kraft im Krankenhausbetrieb eingesetzt würden, verwehre man ihnen eine entsprechende Vergütung.
Der Marburger Bund unterstütze aus diesem Grund die Bundesregierung, da eine Vergütung der PJ-Phase auch ein wichtiges Instrument sei, den Arbeitsplatz Krankenhaus für angehende Mediziner attraktiver zu gestalten. Weinmann wies in diesem Zusammenhang auf die hohe Abbrecherquote während des Medizinstudiums hin. Von den 12 381 Erstsemestern des Jahres 1999 hätten im Abschlussjahr 2005 lediglich 8 870 (- 28,4 Prozent) ihr Medizinstudium beendet. Weinmann: „Die Flucht des Medizinernachwuchses aus dem Krankenhaus hat auch damit etwas zu tun, dass sie als Arbeitssklaven zum Nulltarif missbraucht werden.“
Eine positive Ausnahme stelle der private Klinikkonzern Helios dar, der mit dem Marburger Bund in einem Ärzte-Tarifvertrag eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 400 Euro für Medizinstudenten im Praktischen Jahr vereinbart hat. Die Universitätskliniken und akademischen Lehrkrankenhäuser sollten sich ein Beispiel an dieser Regelung des Marburger Bundes mit Helios nehmen, so der MB-Studentensprecher.
(Quelle: Marburger Bund, 19.03.2008)
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