Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) ruft die rund 55 000 Ärzte in den 700 kommunalen Kliniken zu einem Warnstreik für den 13. März auf. Am gleichen Tag wird es zu einer zentralen Kundgebung der Klinikärzte in Wiesbaden kommen, wo auch die nächste Verhandlungsrunde mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) stattfinden wird. „Nach inzwischen drei Verhandlungsrunden müssen die Gespräche mit den Arbeitgebern jetzt endlich einmal von der Stelle kommen“, sagte der 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke. Da die VKA der Ärztegewerkschaft immer noch kein Tarifangebot vorgelegt habe, verliere man allmählich die Geduld und wolle dies mit dem Warnstreik auch zeigen, so der MB-Vorsitzende.
Patienten sollen von der befristeten Arbeitsniederlegung nicht unmittelbar betroffen sein, da in den bestreikten Kliniken stets mindestens eine Notfallversorgung gewährleistet werde. Der Marburger Bund verlangt für die kommunalen Klinikärzte durchschnittliche Gehaltserhöhungen von 10,19 Prozent und eine umgehende Angleichung der Ostgehälter an das Westniveau.
Henke: „Die Arbeitgeberseite bleibt seit Monaten im Ungefähren. Deswegen ist es jetzt Zeit, mit Warnstreiks auf die Dringlichkeit besserer Einkommen für Krankenhausärzte hinzuweisen.“ Beim letzten Tarifabschluss im Jahr 2006 fielen die durchschnittlichen Gehaltssteigerungen mit einem bis vier Prozent eher bescheiden aus. Schlechte Arbeitsbedingungen und unzureichende Einkommen führten jedoch zu einem ernstzunehmenden Ärztemangel und Attraktivitätsverlust kommunaler Krankenhäuser. Vielerorts sei man händeringend auf der Suche nach Stellenbewerbern. Die Zahl der Stellenausschreibungen habe 2007 einen neuen Rekordwert erreicht.
Unbesetzte Arztstellen seien ein Indikator für mangelhafte Attraktivität des Arztberufes in der Klinik. „Lohnzurückhaltung und ein niedriger Tarifabschluss würden lediglich zu einem Scheinsieg der Arbeitgeber führen“, erklärte Henke. Denn die sich verschärfende Ärzteflucht ins Ausland oder zu anderen Klinikträgern hierzulande reiße die wirtschaftliche Situation der kommunalen Krankenhäuser ins Minus. Henke: „Höhere Ärztegehälter sind eine notwendige und sinnvolle Investition zu Gunsten der Patienten, Ärzte und Kliniken gleichermaßen.“ Dies hätten beispielsweise auch die Universitätskliniken und die Berufsgenossenschaftlichen Kliniken begriffen, die die nun auch für die kommunalen Klinikärzte geforderten rund 10 Prozent mehr bereits mit dem Marburger Bund tarifiert hätten.
Henke: „Die sture Haltung der VKA in der Tarifrunde mit dem Marburger Bund schadet in erster Linie den kommunalen Kliniken selber, die mit unattraktiven Ärztegehältern den harten Wettbewerb um Ärzte auf dem Klinikmarkt nicht bestehen können.“ Für die bevorstehende vierte Verhandlungsrunde am 13. März in Wiesbaden verlangte der MB-Vorsitzende ein verhandlungswürdiges Angebot, um eine Streikeskalation zu vermeiden. Die bisherigen Pauschalargumente der Arbeitgeber, wonach die kommunalen Kliniken kein Geld für Tarifsteigerungen hätten, lässt Henke nicht gelten. Schließlich hätten die Unikliniken und Berufsgenossenschaftlichen Kliniken bewiesen, dass dort bessere Ärztegehälter durchaus finanzierbar seien. Zudem schrieben nach eigenen Angaben der Arbeitgeber rund zwei Drittel der kommunalen Häuser schwarze Zahlen. Henke: „Natürlich kosten wettbewerbsfähige Ärztegehälter Geld. Es kommt die kommunalen Arbeitgeber aber viel teurer, sie nicht zu bezahlen. Denn dann droht bald das Wegbrechen der Erlöse. Was wir jetzt brauchen, ist nur noch der gute Wille der Arbeitgeber.“
(Quelle: Marburger Bund, 06.03.2008)
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