Eine Forschungsgruppe des Zentrums für Biomedizin am Departement für Klinisch-Biologische Wissenschaften der Universität Basel hat einen Mechanismus entdeckt, der bei der Entstehung von lymphatischem Gewebe eine wichtige Rolle spielt. Das menschliche Immunsystem baut in den lymphatischen Organen Abwehrmechanismen gegen Infektionserreger auf. Die Ergebnisse wurden kürzlich im aktuellen Fachmagazin “Immunity” veröffentlicht.
Lymphknoten, Milz und die Peyer’schen Plaques des Darmes haben die Funktion von Filterorganen für Infektionserreger. Abwehrzellen des Immunsystems wandern täglich in diese lymphatischen Organe ein, erkennen dort fremde Proteine, gegen die sie eine Immunantwort aufbauen. Die Anzahl und Lokalisation von Lymphorganen wird im Körper während der Embryonalentwicklung festgelegt. Nun konnten Basler Forscherinnen und Forscher um Prof. Dr. Daniela Finke den Wachstums- und Differenzierungsfaktor Interleukin 7 als Schlüsselmolekül zur Bildung von lymphatischem Gewebe identifizieren.
Interleukin 7 – der Schlüssel zum Leben
Besteht ein Überangebot an Interleukin 7, werden zusätzliche Lymphknoten und Peyer’sche Plaques während der Embryogenese gebildet. Zusätzlich entstehen mittels Interleukin 7 spontan neue Lymphorgane an den Orten, an denen man das Immunsystem stimuliert. Die Forschungsgruppe konnte zeigen, dass Interleukin 7 ein entscheidender Wachstums- und Überlebensfaktor für Zellen ist, welche die Bildung von lymphatischem Gewebe induzieren, indem Interleukin 7 den programmierten Zelltod dieser Zellen verhindert. Darüber hinaus leitet Interleukin 7 die Synthese von Molekülen ein, die für die Entwicklung von lymphatischem Gewebe essentiell sind. Es werden nicht nur zusätzliche Lymphorgane gebildet, sondern es kommt auch zur Entstehung von lymphatischem Gewebe in Organen, die von Autoimmunkrankheiten betroffen sein können. Damit konnte erstmals gezeigt werden, dass Interleukin 7 sowohl an der embryonalen Entwicklung von Lymphorganen, als auch an der Entstehung von neuem (ektopem) Lymphgewebe beteiligt ist.
Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Autoimmunkrankheiten
Bei Autoimmunkrankheiten wandern aktivierte Abwehrzellen in Organe ein und führen zu einer chronischen Entzündung. In der Folge bilden sich in den entzündeten Organen neue lymphatische Gewebe, welche die chronische Entzündung begünstigen und zu einer Zerstörung der Organe führen können. Darüber hinaus können diese Gewebe in bösartige Lymphome ausarten.
Bei einer Reihe von Autoimmunkrankheiten (wie zum Beispiel Arthritis und Multiple Sklerose) wurde die vermehrte Bildung von Interleukin 7 beschrieben. Wenn die Produktion und Wirkung von Interleukin 7 am Ort der Entzündung blockiert würde, könnte dies einen neuen Therapieansatz darstellen, der die Neubildung von lymphatischem Gewebe und Zerstörung der Funktion lebensnotwendiger Organe verhindert.
(Quelle: Universität Basel, 29.05.2007)
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