Nach Angaben der Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) sorgen zahlreiche Krankenhäuser mit einer „bewusst falschen“ Umsetzung des arztspezifischen Tarifvertrages für erheblichen Unmut unter den Ärztinnen und Ärzten. Offensichtlich als Retourkutsche auf die Ärztestreiks des vergangenen Jahres würden etliche Klinikarbeitgeber bei der Tarifvertragsumsetzung „im großen Stil“ Oberärzte zu Fachärzten herabstufen. „Die Klinikarbeitgeber prellen etliche Oberärzte um Teile ihres Gehalts, indem sie sie eine Stufe niedriger in die Entgeltgruppe für Fachärzte einordnen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes, Armin Ehl. Der Gehaltsverlust könne dabei bis zu 1.000 Euro monatlich ausmachen.
Es sei nicht im Sinne eines konstruktiven Arbeitsklimas, wenn nun die Arbeitgeber versuchten, die Kliniken systematisch zu oberarztfreien Zonen zu machen. Es gebe viele Krankenhäuser, wie beispielsweise sämtliche in Düsseldorf, die überhaupt gar keine Oberärzte ernennen würden. Ehl: „Mit diesem ärztefeindlichen Verhalten tragen die Arbeitgeber dazu bei, dass hochqualifizierte Leistungsträger ihre Motivation verlieren.“ Dass es auch anders gehe, zeige sich beispielsweise in den Universitätskliniken Münster und Heidelberg, wo alle Oberärzte in die korrekte Entgeltgruppe übergeleitet wurden.
Der Marburger Bund sei nicht bereit, die willkürliche Umsetzung der arztspezifischen Tarifverträge zu dulden. Um das Recht auf korrekte Vergütung durchzusetzen, werde der MB Ärzte unterstützen, die gegen ihre tarifvertragswidrige Eingruppierung klagen. An den zuständigen Arbeitgeberverband appellierte die Ärztegewerkschaft, seine Krankenhäuser anzuweisen, die Status- und Einkommensverschlechterungen von Oberärzten einzustellen. Ehl: „Es liegt nun in der Hand der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände, den Frieden in den Krankenhäusern wieder herzustellen, indem Oberärzte auch als Oberärzte geführt und bezahlt werden.“
(Quelle: Marburger Bund, 26.03.2007)
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