Die ärztliche Versorgungslücke in Bayern droht größer zu werden. Es gibt immer mehr Ärztinnen und Ärzte, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, und immer weniger, die nachrücken. Dies geht aus der Jahres-Ärzte-Statistik der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) vom 31.12.2005 hervor. „Der Engpass zeichnet sich deutlich ab“, warnt BLÄK-Präsident Dr. H. Hellmut Koch.
In Bayern ist mittlerweile fast jeder dritte Niedergelassene zwischen 50 und 59 Jahre alt. „Es ist deshalb dringend nötig, dass endlich gemeinsam Konzepte erarbeitet werden, um diese Entwicklung zu stoppen“, fordert der Kammer-Chef.
Im vergangenen Jahr waren 4886 tätige Ärztinnen und Ärzte zwischen 60 und 65 Jahre alt. Im Jahr 2000 gab es in dieser Altersgruppe lediglich 3004 tätige Ärztinnen und Ärzte. Konkret: Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil der tätigen 60- bis 65-Jährigen um 3,5 Prozent gewachsen. Ähnlichen Zuwachs gibt es auch in der Gruppe der aktiven 50- bis 59-Jährigen. 2005 waren es hier 13 474 Ärztinnen und Ärzte. 2000 befanden sich in dieser Altersgruppe 11 159 Kolleginnen und Kollegen. Das bedeutet, dass auch der Anteil der 50- bis 59-Jährigen seit dem Jahr 2000 um 3,6 Prozent gestiegen ist. Der Blick in die Nachwuchsgeneration zeigt aber zugleich, dass nicht genügend junge Ärztinnen und Ärzte vorhanden sind, um diese künftigen Ruheständler zu ersetzen. So waren im vergangenen Jahr 8192 Ärztinnen und Ärzte jünger als 34 Jahre. 2000 gab es noch 10 096 Ärztinnen und Ärzte in dieser Generation. Die Zahl des ärztlichen Nachwuchses ist seit dem Jahr 2000 demnach um 2,5 Prozent geschrumpft.
Noch deutlicher klafft die Schere auseinander, analysiert man die Altersstruktur der Niedergelassenen. Der Anteil der 60- bis 65-Jährigen ist seit 2000 um 1,9 Prozent gewachsen. Zugleich ist der Anteil der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zwischen 35 und 39 Jahren um vier Prozent gesunken. „Die Vermutung, dass sich diese Altersgruppe vielleicht noch in den Krankenhäusern befindet, bestätigt die Statistik jedoch nicht“, erklärte Koch. Denn der Anteil der Klinikärzte, die zwischen 35 und 39 Jahre alt sind, ist seit 2000 ebenfalls um 1,5 Prozent gesunken.
Besonders Kliniken greifen mittlerweile auf die Hilfe ausländischer Ärzte aus der EU zurück, um freie Arztstellen auf den Stationen besetzen zu können. Der Statistik zufolge hat sich der Zugang ausländischer Ärztinnen und Ärzte in Bayern seit dem Jahr 2000 verdreifacht, von 50 auf 150 Ärzte. Zum 31. Dezember 2005 waren bei der BLÄK 65 795 Ärztinnen und Ärzte gemeldet.
(Quelle: Landesärztekammer Bayern, 11.04.2006)
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