Deutschland droht ein ärztlicher Nachwuchsmangel. Gleichzeitig wandern immer mehr Ärzte ins Ausland ab. Da über ihre Zahl und Motive nur wenige empirisch gesicherte Daten vorliegen, führte die Landesärztekammer Hessen seit 2003 verschiedene eigene Untersuchungen zu dem Problem durch. Jetzt stellt sie erste Ergebnisse einer systematischen Befragung aller hessischen Ärztinnen und Ärzte vor, die seit 2005 ein „Certificate of Good Standing“ - eine Art berufsbezogenes Führungszeugnis, das auf Anfrage von der Ärztekammer ausgestellt wird – beantragt haben. Bisheriges Fazit: Das Interesse an einer Tätigkeit im Ausland wächst ständig. Der am häufigsten genannte Grund ist die Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen in Krankenhaus und vertragsärztlicher Praxis in Deutschland. Die Erwartung einer besseren Bezahlung steht erst an zweiter Stelle.
Die Zahl der Anträge hessischer Ärztinnen und Ärzten auf ein „Certificate of Good Standing“ ist in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen: Von 19 im Jahr 2000 auf 181 in 2004. Im ersten Halbjahr 2005 belief sie sich die Zahl der Anträge bereits auf 104. Rund 68 % der Antragsteller sind männlich. Mehr als 65 % sind bereits über 40 Jahre alt. Auf immerhin 35 % beläuft sich der Anteil niedergelassener Ärzte. 76 % der Antragsteller sind Fachärzte. Diese überraschenden Feststellungen, die eine große Abwanderungsbereitschaft berufserfahrener Ärztinnen und Ärzte dokumentieren, veranlassten die Landesärztekammer Hessen, ab 2005 alle Antragsteller zu den Gründen für ihren Antrag, sowie nach Art und Umfang der angestrebten Tätigkeit zu befragen. Inzwischen konnten aus der noch bis Ende 2006 laufenden Befragung 59 Rückläufe vorläufig ausgewertet werden.
An erster Stelle der Tätigkeits- oder Zielländer wird mit Abstand Großbritannien genannt (48 %), gefolgt von Skandinavien mit 9 %. Da allerdings keine vollständigen Informationen darüber vorliegen, welche Länder überhaupt bzw. in welchem Umfang und für welche Stellen „Certificates of Good Standing“ verlangen, können mit der Statistik der „Certificates“ und der darauf basierenden Untersuchung der Landesärztekammer nicht alle Ärztinnen und Ärzte, die eine Auslandstätigkeit anstreben, erfasst werden. Es ist davon auszugehen, dass die Gesamtzahl wesentlich höher liegt. So ist beispielsweise auch die Schweiz bei abwanderungswilligen Ärztinnen und Ärzten aus Hessen beliebt, doch fordern nur einzelne Kantone – und dann auch nur in bestimmten Fällen - ein „Certificate“. (Eine landesweite Befragung von Assistenzärzten in der Schweiz lässt darauf schließen, dass schätzungsweise 2000 von ihnen das Staatsexamen in Deutschland abgeschlossen hatten.)
Rund zwei Drittel aller Antwortenden unserer Befragung bezeichnen die Tätigkeit im Ausland als ihre Haupttätigkeit, ein Drittel als Nebentätigkeit. Nur 20 % beabsichtigen, maximal zwei Jahre im Land ihrer Wahl zu arbeiten; zwei Drittel planen eine unbefristete Tätigkeit oder haben diesbezüglich noch keine Entscheidung getroffen. Die im Ausland ausgeübten Tätigkeit lassen sich unterteilen in: Regulärer Dienst im Krankenhaus (21 %), Tagdienst in Praxen (13 %), Tagdienst in Klinikambulanzen (11 %), Nacht- oder Wochenenddienst in Praxen (11 %), Durchführung spezieller qualifizierter Leistungen (10 %).
Erfolglose Stellensuche in Deutschland spielt keine Rolle für die Auslandstätigkeit. Dagegen gab mit 20 % die Mehrheit der Befragten die Erwartung besserer Arbeitsbedingungen als Hauptgrund an. 19 % nannten eine bessere Bezahlung,
13 % ein neues interessantes Arbeitsgebiet und 9 % einen Zusatzverdienst zur Tätigkeit in Deutschland als Motivation. Dass ein Großteil der Antworten, nämlich
41 %, auf bereits niedergelassene Ärztinnen und Ärzte entfällt, macht deutlich, dass die derzeit auch öffentlich geäußerten Forderungen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte keineswegs als „Klagen auf hohem Niveau“ abgetan werden dürfen. Der Leidensdruck der Ärzte ist hoch und die „Abstimmung mit dem Reisegepäck“ hat bereits begonnen.
(Quelle: Landesärztekammer Hessen, 28.03.2006)
Für Ärzte gibt es weltweilt Jobangebote:
Hier finden Sie Aktuelle Stellenangbote für Ärzte...
Hier können Sie in wenigen, einfachen Schritten eine neue Stellenanzeige aufgeben:
Sie sind schon Kunde bei uns? Dann gelangen Sie hier zu Ihrem Kundenbereich, um ihre Anzeigen zu verwalten oder sich als Arzt zu registrieren.