Die bundesweiten Streiks der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland kommen nicht aus heitererem Himmel, richten sie sich doch gegen die sich drastisch verschlechternden Arbeitsbedingungen in deutschen Kliniken und Praxen. Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) sieht in dem Protest das Ventil für einen langjährigen Prozess von Unzufriedenheit, Gehaltsverlusten, unmöglichen Arbeitszeiten und überbordender Bürokratie in nahezu allen Versorgungsbereichen.
Würden die Pläne der Regierung, zum Beispiel zu Honorarangleichungen bei gesetzlich und privat Versicherten, umgesetzt, breche die bislang gute Qualität medizinischer Versorgung in Praxen und Kliniken ein. „Bei weiteren Lohnkürzungen und einer Erhöhung der Arbeitszeit in den Krankenhäusern ohne Lohnausgleich ist es nur zu verständlich, dass qualifizierte Ärztinnen und Ärzte protestieren oder sich umorientieren“, sagte Dr. H. Hellmut Koch, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK).
Die Folgen badeten nicht nur die Ärztinnen und Ärzte aus, sondern gingen auch zu Lasten der Patientinnen und Patienten, weil sich immer mehr Ärzte durch Abwanderung in attraktivere Arbeitsplätze im Ausland oder in der Industrie der Patientenversorgung in Deutschland entzögen. Der Präsident forderte daher alle Ärztinnen und Ärzte zur Geschlossenheit auf, um in gemeinsamen Aktionen auf die Missstände in Kliniken und Praxen aufmerksam zu machen. Gleichzeitig rief Koch jedoch auch die Ärztinnen und Ärzte zur Dialog- und Kooperationsbereitschaft auf.
Koch appelliere an die Verantwortlichen, die Hinweise auf soziale Ungerechtigkeiten für Patientinnen und Patienten in Folge der Gesundheitsreform oder das Grundproblem des medizinischen Fortschritts im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung endlich ernst zu nehmen. „Nicht Ärztinnen und Ärzte machten Menschen zu Patienten mehrer Klassen sondern eine falsche Gesundheitspolitik“, kritisierte Koch.
(Quelle: Landesärztekammer Bayern, 12.12.2005)
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