Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), hat vor der Überalterung und dem drohenden Hausärztemangel in ländlichen Gebieten Deutschlands gewarnt. Dies gelte auch für Bayern. Neben der allgemein abnehmenden Bereitschaft der jungen Ärztinnen und Ärzte, den Arztberuf am Patienten auszuüben, führten für die hausärztliche Betreuung auf dem Land mehrere Faktoren zum Nachwuchsmangel.
Dies ist begründet in
- längeren Arbeitszeiten durch die primär-ärztliche Versorgung mit einer 24-Stunden-Präsenz sowie Nacht- und Wochenenddiensten,
- geringeren Verdienstmöglichkeiten als andere Vertragsärzte insbesondere durch die unterschiedliche Honorierung von Sprechender- und Geräte-Medizin,
- sich ständig verschlechternden Arbeitsbedingungen durch Listenmedizin, Bürokratismuswahn, unterschiedliche Versorgungsmodelle und Budgetdruck im Arznei- und Heilmittelbereich und
- sinkende Lebensqualität und der damit immer geringeren Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Mehrarbeit bei immer geringer werdender ärztlicher Versorgungsdichte.
„Die Altersstruktur-Statistik zeigt deutlich, dass die Spitze bei den Hausärzten bei 50 bis 55 liegt, so dass über die Hälfte der Hausärzte älter als 50 Jahre ist und in den nächsten zehn bis 15 Jahren ausscheidet“, so der Vizepräsident. Besorgnis erregend sei jedoch der Trend, der sich für die Zukunft abzeichne. So ginge die Zahl der neu ausgestellten Anerkennungen im Fach Allgemeinmedizin zurück. Selbst wenn man den jungen Ärztinnen und Ärzten ein Haus zur Verfügung stelle, und alle möglichen sonstigen „roten Teppiche“ ausbreitete sei das noch nicht verlockend genug. Kaplan forderte, die Attraktivität des Berufs Hausarzt zu stärken. Konkret bedeute dies, in der Ausbildung:
- die Etablierung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin mit entsprechender personeller und finanzieller Ausstattung sowie Entwicklung eines ausreichenden Lehrpraxisnetzes an allen medizinischen Fakultäten,
- weiterer Ausbau der studentischen Lehre im Fach Allgemeinmedizin (ab der Vorklinik) und der Pflichtpraktika als Blockpraktika in ausgewählten hausärztlichen Praxen und
- Teilung des praktischen Jahres in vier Abschnitte à drei Monate, wobei das Fach Allgemeinmedizin Pflichtfach neben Innerer Medizin und Chirurgie wird.
Was die Weiterbildung beträfe, sei zu fordern, dass die neue Weiterbildungsordnung mit der fünfjährigen Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin schnellstens in allen Landesärztekammern umgesetzt wird und der neue Facharzt als Hausarzt notifiziert wird. „Nur eine qualifizierte hausärztliche Weiterbildung ist ein Garant dafür, dass unser Nachwuchs nach einem sechsjährigen Medizinstudium bereit ist, diesen Beruf zu ergreifen“, so Kaplan. Ein „Barfußarzt“, der gerade die Minimalforderungen der EU erfülle, könne die komplexen Aufgaben in der Patientenversorgung nicht schultern. Die BLÄK hat deshalb bereits vor einem Jahr die Muster-Weiterbildungsordnung umgesetzt und engagiert sich seit Jahren für eine attraktive hausärztliche Weiterbildung mit qualitativ anspruchsvollen Kompaktkursen und der Schaffung von Rotationsstellen im stationären und ambulanten Bereich zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns.
Zur Disposition stehe auch das Zulassungssystem, das ursprünglich dazu gedacht war, einer damals noch gesehenen Überversorgung entgegen zu wirken. Des Weiteren fordert Kaplan eine Liberalisierung der ärztlichen Tätigkeit der Vertragsärzte als Reaktion auf der vom 58. Bayerischen Ärztetag 2004 beschlossenen Änderung der Berufsordnung. Hierfür ist eine entsprechende Änderung des SGB V und der Zulassungsverordnung nötig.
(Quelle: Landesärztekammer Bayern, 14.10.2005)
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