Die Ursache für den Ärztemangel seien bekannt: hohes Arbeitspensum, enormer bürokratischer Aufwand in Praxen und Krankenhäusern und „Regelungswut“ der Politik. Die Zahlen sprächen eine klare Sprache gerade auch im hausärztlichen Bereich, sagte Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK).
Es ließe sich voraussagen, dass bis zum Jahr 2011 bundesweit etwa 23.000 Hausärzte (ohne Kinderärzte) aus dem System ausschieden. Das sei knapp die Hälfe der derzeit in Deutschland tätigen Hausärzte. Daraus resultiere ein durchschnittlicher Ersatzbedarf in Höhe von 2.200 Hausärzten pro Jahr. Dem stünden 1.626 Anerkennungen zum Facharzt für Allgemeinmedizin im Jahre 2000, 1.884 im Jahre 2001, 1.917 Anerkennungen im Jahre 2002 und 1.686 im Jahre 2003 gegenüber. Dies bedeute allein im Jahr 2003 ein Defizit von 514 Allgemeinärzten.
In Bayern stelle sich die Situation folgendermaßen dar: 5.460 der Hausärzte von 9.622 (57 %) seien über 50 Jahre alt. Diese Hausärzte stünden in zehn bis 15 Jahren der hausärztlichen Versorgung der Patientinnen und Patienten nicht mehr zur Verfügung. In Bayern seien mittlerweile nur noch wenige Planungsbereiche für Hausärzte gesperrt. Schon heute seien auch in Bayern die hausärztlichen Praxen besonders auf dem Land zum Teil nicht mehr verkäuflich. Nach der neuesten Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) seien insgesamt 336 Hausarztsitze nicht besetzt: Oberbayern 50, Oberfranken 34, Mittelfranken 56, Unterfranken 73, Oberpfalz 48, Niederbayern 55 und Schwaben 20. „Dies bedeutet im Augenblick noch keine akute Unterversorgung, diese lässt sich jedoch prognostizieren“, so Kaplan wörtlich.
Der Vizepräsident forderte, Ausbildung und Weiterbildung so auszurichten, dass sie den Nachwuchs für die hausärztliche Tätigkeit möglichst fördern. Die künftigen allgemeinmedizinischen Pflichtbausteine im Studium, Pflichtvorlesung und Blockpraktikum, zeigten, dass die Allgemeinmedizin in der Approbationsordnung in den Stand eines Hauptfaches erhoben wurde. Jetzt seien jedoch die Länder und die Fakultäten aufgerufen, dafür zu sorgen, dass dieser Unterrichtsbedarf an den einzelnen Fakultäten auch qualifiziert abgedeckt werden könne. Ebenso sei es notwendig, dass die BLÄK in Zusammenarbeit mit den Lehrbeauftragten und den Universitäten Studentinnen und Studenten über das Berufsbild „Hausarzt“ informiere. Die neue Weiterbildungsordnung mit dem neuen Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin böte die Voraussetzung für ein einheitliches hausärztliches Berufsbild. Für die Weiterzubildenden sei es notwendig, Verbundlösungen und Rotationsmodelle zu entwickeln. Schließlich werden auch Wiedereinstiegsseminare zur Beseitigung des Ärztemangels allgemein beitragen.
(Quelle: Landesärztekammer Bayern, 08.10.2004)
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