Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) warnt seit Jahren: Das hohe Arbeitspensum, enormer bürokratischer Aufwand und Regulierungswut der Politik und nicht zuletzt die schlechte Bezahlung treibe immer mehr junge Ärztinnen und Ärzte ins Ausland. „Die flächendeckende Versorgung in Bayern ist zwar noch nicht in Gefahr, doch der Arztberuf in Bayern muss attraktiver gestaltet werden“, sagte Dr. H. Hellmut Koch, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Vorfeld des Bayerischen Ärztetages.
Untermauert ist die Prognose vom „schleichenden Ärztemangel“ mit harten Zahlen und Fakten. Länder wie Großbritannien, Norwegen und Schweden, die in der Vergangenheit bei sich selbst eine gewisse Ärzteknappheit erzeugt haben, werben systematisch, auch im Bayerischen Ärzteblatt, um deutschen Medizinernachwuchs. Und das mit einigem Erfolg. Zwar vermag die BLÄK-Statistik nicht genau zu sagen, wie viele Ärztinnen und Ärzte exakt Jahr für Jahr nach ihrem Staatsexamen ins Ausland gehen, weil es dafür keine Meldepflicht gibt. So beruhen die Zahlen der Abgänge und freiwilligen Mitglieder lediglich auf einer freiwilligen Meldung in der Kammerstatistik.
Demnach gingen 2003 beispielsweise 29 Ärztinnen und Ärzte nach Großbritannien, 46 in die Vereinigten Staaten, 73 nach Österreich und 133 in die Schweiz. Insgesamt waren es immerhin 406 Ärztinnen und Ärzte aus dem bayerischen Kammerbereich, die dem Land den Rücken kehrten. Auffällig sei ebenso, dass die Zahl der Berufseinsteiger in der Medizin, vormals Arzt im Praktikum (AiP), seit Jahren sinke. „Ob jedoch die Abschaffung des AiP ab dem 1. Oktober 2004 die Nachwuchssorgen deutscher Kliniken ausräumt, wird man sehen“, so Koch weiter. Viele bayerische Krankenhäuser haben sich jedoch zwischenzeitlich anders beholfen, nämlich mit dem Import ausländischer Ärztinnen und Ärzte.
982 ausländische Ärztinnen und Ärzte aus Ländern der Europäischen Union und 1068 Ärztinnen und Ärzte aus anderen Ländern Europas waren im Jahr 2003 in Bayern gemeldet. Insgesamt sind es in Deutschland 17.318 ausländische Ärzte, die hier arbeiten. Sieht man die bayerische Statistik etwas genauer an kommen die meisten Ärztinnen und Ärzte aus dem Bereich der Europäischen Union: aus Österreich (361) aus Griechenland (219) und aus Italien (174). Bei den übrigen europäischen Ländern sind die Spitzenreiter Russland (148), Rumänien (179) und die Ukraine (117).
Der 58. Bayerische Ärztetag findet vom 8. - 10. Oktober 2004 in Memmingen statt. Der Bayerische Ärztetag ist die Delegiertenversammlung der BLÄK, das Parlament der Ärzteschaft im Freistaat. Die Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbände sowie die fünf Universitäten entsenden insgesamt 180 Delegierte zu der in der Regel einmal im Jahr tagenden Versammlung.
(Quelle: Landesärztekammer Bayern, 16.09.2004)
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