Die Europäische Union wird ab 1.Mai 2004 um 10 Mitgliedsstaaten wachsen. Damit haben medizinische Fachkräfte aus den Beitrittsländern mit einer Arbeitsgenehmigung ab sofort die Möglichkeit, ihren Beruf auch hier in Mecklenburg-Vorpommern auszuüben.
Einen starken Zuwanderungstrend ausländischer Ärzte konnte die Landesärztekammer bereits seit einigen Jahren verzeichnen. Die Zahl der bei der Kammer gemeldeten Ausländer hat sich binnen drei Jahren fast verdoppelt: Während im Jahre 2001 noch 95 registriert wurden, waren es 2002 bereits 130 und Ende 2003 insgesamt 181 ausländische Ärzte.
Diese Entwicklung wird mit der EU-Erweiterung noch forciert. Es ist zu erwarten, daß vor allem aus dem Nachbarland Polen Fachkräfte zum Arbeiten in unser Bundesland immigrieren werden. Darauf deuten auch die aktuellen Meldezahlen: Im letzten Jahr hatten 22 polnische Ärzte einen Aufnahmeantrag gestellt, allein in den knapp vier Monaten des Jahres 2004 waren es bereits 21, das wäre eine Vervierfachung bis Jahresende. Im Diakonie-Klinikum Ueckermünde/Anklam beispielsweise sind die letzten sechs Arztstellen mit Medizinern aus Polen besetzt worden.
Die polnische Ärztekammer befürchtet sogar, daß mit dem Beitritt Polens jeder dritte polnische Arzt zwischen 25 und 30 Jahren sein Land verlassen wird, um in einem westlichen EU-Land zu arbeiten.
„Wir begrüßen die EU-Osterweiterung natürlich. Hiesige personelle Probleme könnten damit etwas abgefedert werden, doch eine grundlegende Lösung kann das letztlich nicht sein. Ich teile insofern die Sorge der polnischen Ärztekammer. Die Migration darf nicht dazu führen, daß wir auf Kosten der polnischen Bevölkerung unser Gesundheitssystem sanieren. Die strukturellen Defizite müssen wir hier in Deutschland selbst beseitigen. Dazu brauchen wir eine konstruktive und sozial ausgewogene Gesundheitsreform. Alles andere ist Augenwischerei“, so der Kammerpräsident Dr. med. Andreas Crusius.
(Quelle: Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, 29.04.2004)
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