Die von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erneut ins Gespräch gebrachte Einführung eines Ärzte-TÜVs, einer berufsständischen Zwangsfortbildung unter staatlicher Aufsicht, stößt auf den energischen Widerstand von Dr. H. Hellmut Koch, dem - alten und neuen - Präsidenten der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Er warnte vor der irrigen Annahme, durch Repressalien und Drohungen ließen sich Ärztinnen und Ärzte in Fortbildungsveranstaltungen "treiben" oder zur Nutzung geeigneter Fortbildungsmedien bewegen.
Denn staatlicher Zwang untergrabe jede positive Einstellung zum Lernen, wie sie für einen Lernerfolg unerlässlich sei. Zugleich verwahrte sich Koch gegen den Begriff Ärzte-TÜV und Qualitätsvergleichen zwischen individuellen Gesundheitsleistungen und Industriemassenprodukten wie Autos, Kochtöpfen oder Herden. "Durch diesen Vergleich von Ärztinnen und Ärzten mit Kochtöpfen und Wachmaschinen disqualifiziert sich die Bundesgesundheitsministerin selbst", so Koch abschließend.
Kliniken, Praxen, Ärztinnen und Ärzte seien weder ein technischer Überwachungsverein, noch ein technisches Gerät. "Ärzte-TÜV", diese Wortwahl stelle eine krasse Missachtung der Ärztinnen und Ärzte und vor allem auch der Patientinnen und Patienten dar. An die Adresse der Politik sagte Koch, dass diese "endlich zur Kenntnis nehmen muss, dass weder Ärzte noch Patienten genormte Maschinen sind".
Koch warb hingegen für das existierende Freiwillige Fortbildungszertifikat der BLÄK, "das in Bayern eindeutig eine Erfolgsstory darstellt und erheblich zum ärztlichen Kompetenzerhalt beiträgt". Zugleich wies er auf die umfangreichen Aktivitäten der BLÄK hin, den Einsatz moderner elektronischer Medien (wie Internetlearning, Fortbildungs-CD-Roms) in der ärztlichen Fortbildung zu fördern.
Im vergangenen Jahr nahmen insgesamt über 33 500 Kolleginnen und Kollegen an über 600 Fortbildungs-Veranstaltungen der Ärztlichen Kreisverbände teil. Die Gesamtzahl der Teilnehmer allein an Fortbildungsveranstaltungen, die von der ärztlichen Selbstverwaltung oder in Zusammenarbeit mit ihr durchgeführt und (deshalb der BLÄK mitgeteilt) wurden, belief sich 2002 auf rund 290 000.
(Quelle: Landesärztekammer Bayern, 04.02.2003)
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